Lustgilde
Wie in all den Jahren wurde auch 2009 die Oelixdorfer Lustgilde gefeiert --- wie in all den Jahren , nicht ganz .
24 Jahre Altermann - "mit Charme und Arglist"
Die "Oelixdorfer Lustgilde von 1539" gibt es inzwischen seit 470 jahren, doch eine Ära ging nun zu Ende. Nach 24 jahren als "Ältermann" (Vorsitzender) trat Fritz Theede (62) bei der Hauptversammlung von seinem Amt zurück. "Ich möchte den Weg für einen Jüngeren frei machen", sagte er zur Begründung. So gab er es an seinen Nachfolger weiter, zu dem die Mitglieder Hermann Voß (54) wählten.
In seiner Laudatio rekapitulierte der neue Amtsträger die Leistung des Vorgängers. "Fritz Theede wurde 1981 zum Stellvertreter, 1985 zum Ältermann gewählt", rief er ins Gedächtnis. Er erinnerte daran, dass dieser in seiner Zeit nicht nur als solcher tätig, sondern gleichzeitig 24 jahre lang Wehrführer des Ortes war. "Damit ist keiner länger im Amt gewesen als er.
Auch Bürgermeister jörgen Heuberger würdigte die Leistung Fritz Theedes. Alles zusammen genommen mache das - wenn diese Rechnung auch eigentlich nicht statthaft sei - ,,52 jahre im Dienste der Tradition, die er für das Gemeinwohl gearbeitet hat."
Achtrnann (Vorstandsmitglied) Wolfgang Behrmann erinnerte sich besonders an die Anfänge Mitte der 80er jahre: "Er war immer sehr auf die Bewahrung der Tradition bedacht, wollte Neues nicht gern zulassen." Und dann hat sein unmittelbarer Vorgänger auch noch Frauen in der Gilde erlaubt, wie Wolfgang Behrmann augenzwinkernd schilderte. Zu Anfang hatten diese beim Königsschuss nie ins Schwarze getroffen (einen "Hut" geschossen). Kaum war Fritz Theede im Amt, gelang dies aber einer Teilnehmerin.
"Was sollten wir nun tun, darauf war keiner vorbereitet", so Behrmann. "Es gab keine Königinnen - Kette, wir wussten nicht, wo wir sie am Tisch platzieren sollten, wo doch nur Männer dort saßen." Aber das habe Fritz Theede dann "mit einer Mischung aus Charme und Arglist" gelöst.
Auch die Verlegung des Gildefestes seit 1989 von Montag und Dienstag auf das Wochenende war für den Ältermann eine Zäsur, folgte aber der Notwendigkeit, da es innerhalb der Woehe immer weniger Teilnehmer wurden. "Die Feier am Freitag und Sonnabend hat sich bis heute etabliert. Wir sinl!. die einzige Gilde, in der es eme sehr gute Mischung junger und älterer Teilnehmer gibt", so Behrmann.
Aufgrund alI dieser Leistungen unter seiner Amtsführung wählten ihn die Teilnehmer nun zum "Ehren-Ältermann". Zum Abschied wurde ihm ein neu entworfener "Pin", eine Art Anstecknadel, wie auch jedem weiteren Vorstandsmitglied, überreicht. Darüber hinaus erhielt er eine Kopie eines der historischen Zinnkrüge, aus denen die Gildemitglieder sonst ihr Bier trinken. Einen Wunsch wollte sich Fritz Theede aber noch erfüllen. Nach dem Schießen, das in einer Senke im Wald bei Oelixdorf stattfindet, beobachtete er den ganzen Zug der Schützen, als diese sich wieder zurück ins Dorf in Bewegung setzte. "Das habe ich in meiner gesamten Amtszeit nicht gesehen, ein tolles Erlebnis", befand er.
Der neue Ältermann, Hermann Voß ist seit 1985 als Achtmann im Vorstand und kennt die Abläufe des Gildefestes somit genau. "Ich möchte die Tradition in bewährter Form fortführen, sperre mich aber auch gegen sinnvolle Neuerungen nicht", sagte er. "Ich werde nicht die Asche bewahren, sondern die Flamme weiter tragen." Wahlen: Für Achtmann Hermann Voß rückte Frank Jordan nach, für den ausscheidenden Achtnann Max von Soosten jun. wurde Thomas Kehde gewählt.
Quelle Norddeutsche Rundschau
Marco Hollm schoss sich zur Königswürde
Oelixdorf/ - unter neuer Führung, aber mit traditionellem Ablauf - so beging die "Oelixdorfer Lustgilde von 1539" ihr diesjähriges Gildefest. Nachdem für den scheidenden Ältermann (Vorsitzenden) Fritz Theede der Nachfolger Hermann Voß gewählt worden war (wir berichteten), wurde das Gildefest dieses Mal unter neuer Leitung eine besondere Veranstaltung. Es wurde drei Tage lang mit einem umfangreichen Programm gefeiert. Als Höhepunkt riefen die Mitglieder den neuen Hofstaat aus. Die Feierlichkeiten wurden am ersten Tag eingeleitet, nachdem die "Schaffer" (Helfer) den Saal geschmückt und die Frauen der Gilde Kränze gebunden hatten.
Bei der Generalversammlung (Hauptversammlung) in der Gaststätte "Unter den Linden" folgte nach den Neuwahlen der traditionelle "Beerprövabend", an dem das Gildebier in alten Zinnkrügen getestet wurde. Zum anschließenden Tanzabend gab es hier wie immer Damenwahl.
Der folgende Haupttag des Festes wurde frühmorgens mit dem Königsfrühstück beim Majestätenpaar des vergangenen Jahres, Rainer Gosau und Kerstin Vasel, eingeleitet. Beim anschließenden Umzug durch Oelixdorf mit 60 Teilnehmern umrahmte die Musik von "Möllers Dampfkapelle", die aus Teilen des Oelixdorfer Musikzuges besteht, das Geschehen.
Nachmittags beteiligten sich etwa 140 Schützen am Königsschießen, bei dem das neue Königspaar ermittelt wurde. Die neuen Majestäten proklamierte erstmals der neue Ältermann Hermann Voß beim abendlichen Festball.
König wurde mit bestem Schießergebnis Marco Hol1m, Königin wurde Ursula Schröder-Behrmann. Als 2. König stellte sich nach Überprüfung der Schießergebnisse Olaf Gosau, als 3. König Karl-Heinz Bentner heraus.
Beim Festball wurde dann ausgiebig mit über 150 Gästen gefeiert, darunter auch Abordnungen der Gilden aus Wilster und Krempe. "Sie waren beeindruckt, wie viele junge Leute zwischen 20 und 30 bei uns mitfeiern", berichtet Achtmann (Vorstandsmitglied) Wolfgang Behrmann - seien sie doch sonst eher Publikum fortgeschritteneren Lebensalters gewohnt. Beim Ball haben die weiblichen Gäste den ganzen Abend auf ihre Gelegenheit gewartet und entwendeten traditionell die historische Holzkiste des Gildevorstandes.
Beantwortet werden musste die spannende Frage, wie viele Frauen es schaffen würden, sich gleichzeitig auf der Gildekiste zu halten, um diese gegen die entsprechende Zahl von Weinflaschen zurück zu geben.
Der Ball schloss bei Sonnenaufgang mit dem traditionellen Rasentanz, bei dem die Feiernden das Fest im Garten des Lokals ausgelassen ausklingen ließen.
Im kommenden Jahr werde es eine weitere Premiere geben, kündigte Achtmann Wolfgang Behrmann einmal an. „ Wir wollen die alten Zinnkrüge durch neue ersetzen, denn sie haben mit der Zeit doch arg gelitten.“
Quelle Norddeutsche Rundschau
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